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 Tafel Blumenwiese

Auf der Cölber Blumenwiese können sich bedrohte Arten aus Flora und Fauna entfalten

Auf der Westseite des Cölber Friedhofs hatte es in allen Farben geblüht, denn dort wird der Natur freien Lauf gelassen. Und gerade, dass fast nichts getan wird, ermöglicht es Pflanzen sich anzusiedeln, die andernorts fast nicht mehr zu finden sind.

Vorbild ist unter anderem ein Rasenstück auf dem Friedhof von Schönstadt. Dort hat sich Gerhard Steckbauer dafür eingesetzt, dass sich auf etwa 400 Quadratmetern ein so genannter Magerrasen entwickeln konnte. Durch Überdüngung sei in Hessen die Artenvielfalt stark zurückgegangen, betont der Schönstädter. Der Laie denke, von vielen Nährstoffen profitierten alle Pflanzen, aber das Gegenteil sei der Fall. Oft sehe man nur noch Löwenzahn. Andere Blumen könnten bei hohem Stickstoffgehalt im Boden nicht existieren, auf nährstoffarmen Böden gedeihen sie jedoch umso besser und das hat in Schönstadt dazu geführt, dass dort eine große Artenvielfalt herrscht, von der auch die Tierwelt profitiert. Steckbauer erfreut sich besonders an den Schmetterlingen, die ein neues Zuhause gefunden haben und dies sollen sie auch in Cölbe bekommen.
Ursprünglich war an dem Hang in Westrichtung eine Mössinger Mischung ausgesät worden. Wie Steckbauer erläutert, habe diese bei aller Blütenpracht den Nachteil, dass sie nur einjährig sei, also immer von neuem ausgesät werden müsse. Und das berge gerade in Hanglage die Gefahr, dass das Saatgut bei starkem Regen davongeschwemmt werde. Die jetzige Lösung spart dem Bauhof zudem Arbeit, weil der Rasen nur noch zweimal im Jahr gemäht werden muss. „Und es blüht wunderbar", freut sich Steckbauer.

 Blumenwiese

Etwa 40 Arten kennt er, angefangen bei wildem Thymian, über verschiedene Kleesorten oder Schlüsselblumen, bis hin zu Habichtskraut, sie alle können sich in Cölbe ansiedeln. Gesehen hat er bereits Hornklee, Wiesensalbei und Klappertopf mit seinen gelben Blüten. Bald blühe auch die Wilde Möhre, ist er sich sicher.

Ende Juni ist die Wiese jetzt turnusgemäß gemäht worden. Und später im Jahr wird die Cölber Blumenwiese erneut blühen. Aber das nur, so betont der Experte, wenn der Schnitt entfernt wird. Andernfalls führe die Verrottung zum Entstehen zu vieler Nährstoffe, und dies ist wie oben beschrieben, äußerst kontraproduktiv für den natürlichen Magerrasen, der doch so vielen Menschen durch seine Blütenpracht Freude macht.

Über eine andere Wiese, nämlich bei Reddehausen, freute sich Steckbauer Ende Mai noch ganz besonders. Die von der Gemeinde als Ausgleichsmaßnahme für Bauvorhaben konzipierte Streuobstwiese „Am Stümper" habe da nämlich in voller Pracht gestanden, berichtet er. „Der eindrucksvolle Blütenflor in weiß, gelb und rot wurde von Wiesenmargeriten, Scharfem Hahnenfuß, Kuckuckslichtnelke und Rotklee erzeugt. Und er hoffe, so Steckbauer, dass dieser Augenschmaus durch adäquate Pflege auch in Zukunft erhalten bleibe.

Ihr Bürgermeister

Volker Carle