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Lagebezeichnung: Verlängerung Alte Poststraße Richtung Schwarzenborn

Größe: 10.976 m²

Außerhalb des Dorfes gelegen mit schönem Blick.

Eine Freifläche wird als Magerblumenwiese bewirtschaftet (s.u.).

Schönstädter Bürger legt pflegeleichte Wildblumenwiese beim Friedhof an

Einigen Schlüsselblumen ist es wohl zu verdanken, dass Gerhard Steckbauer aus Schönstadt auf die Idee gekommen ist, ein kleines Stück Grünfläche auf dem örtlichen Friedhof in einen ursprünglichen Zustand zu versetzen, oder besser ausgedrückt im positivsten Sinne nichts zu tun. Die etwa 400 Quadratmeter sind heute ein so genannter Magerrasen, auf dem bei wenig Pflege zahlreiche Blumen wachsen können, die anderswo nur noch selten zu finden sind.
Und eine davon ist eben besagte Schlüsselblume. Es sei ein ganz normaler Rasen auf dem Friedhof gewesen, erinnert er sich. Aber einmal habe der Bauhof etwas länger nicht gemäht. Da sei ihm im Frühjahr aufgefallen, dass dort Schlüsselblumen wachsen und die gebe es in Hessen so gut wie garnicht mehr, denn sie seien auf nährstoffarme Böden angewiesen. Wegen der intensiven Bewirtschaftung durch die Landwirtschaft – so werde heute für einen hohen Ertrag an Heu viel mehr gedüngt – gehe es zahlreichen anderen Pflanzen ebenso. Der Laie denke meist, dass guter Boden viele Blüten begünstige, aber das Gegenteil sei der Fall. Auf gut gedüngten Flächen sehe man fast nur noch Löwenzahn, die Vielfalt gehe verloren.
Seit seiner Jugend beschäftige er sich mit Schmetterlingen, berichtet Steckbauer. Und restlos begeistert sei er gewesen, als er auf der besagten Rasenfläche an einer Bibernelle, ebenfalls eine dieser Pflanzen, die auf den nährstoffarmen Boden angewiesen ist, die Raupe eines Schwalbenschwanzes gesehen habe. Im Zusammenhang mit der Bewerbung Schönstadts beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft" hat Steckbauer dann die Anregung gegeben, die Fläche nicht mehr regelmäßig zu mähen, sondern wie es früher auch in der Landwirtschaft üblich war, nur noch zweimal im Jahr.

 Mehr als 40 verschieden Blütenpflanzen!

Und nachdem seit drei Jahren der Natur ihr Lauf gelassen wird, hätten sich viele der Blütenpflanzen gut entwickelt, einige blühten in diesem Jahr das erste Mal, dafür gebe es viel weniger Gräser. Ob Thymian, verschiedene Kleesorten, Habichtskraut oder Wilde Möhre, mehr als 40 Blütenpflanzen würden nun zu fast jeder Zeit für Farbe sorgen. Und die Vielfalt an Blütenpflanzen bedinge nun auch eine Vielzahl von Schmetterlingsraupen, durch die wiederum in der Nahrungskette die Vögel profitierten, freut sich der Naturfreund. Die schönen Falter, nicht einmal nur bedrohte Arten, hätten früher auf der konventionellen Wiese als Blütenbesetzer nichts mehr gefunden, das sei heute wunderbar anders geworden.

Zwei weitere Flächen auf dem Schönstädter Friedhof hat er beantragt, jedenfalls dort, wo sie nicht direkt für Begräbnisse genutzt werden. Und das Beispiel könnte zukünftig auf weiteren gemeindlichen Flächen Schule machen. Viele Vorteile wären damit verbunden. Die Artenvielfalt würde geschützt und der interkommunale Bauhof müsste bei der Pflege nicht mehr so oft ausrücken. Und dabei werde gleich noch etwas für den Klimaschutz getan, wie Steckbauer betont. „Warum soll der Rasenmäher mehr als zweimal im Jahr ausrücken, wenn so Kohlendioxid eingespart werden kann".