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Schönstadt – eine lebendige Dorfgemeinschaft am Rande des Burgwalds.

Schönstadt liegt vor den Toren Marburgs am Rande des Burgwalds. Die Ortsmitte wird geprägt von zahlreichen, liebevoll restaurierten Fachwerkhöfen. Die rund 1.600 Einwohner pflegen eine lebendige Dorfgemeinschaft mit einem regelmäßigen Arbeitskreis zur Weiterentwicklung des Ortes. Die vorläufige Krönung dieser Aktivitäten war der Landessieg im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft" (2009) und eine Bronzemedaille im gleichnamigen Bundeswettbewerb (2010).

 

Heizwärme aus der Baumrinde des örtlichen Sägewerks

 Aus Baumrinde wird Wärme und Strom.

Um vorhandene Potenziale für die Dorfentwicklung zu nutzen, ging man auf das ortsansässige Sägewerk zu. Das Traditionsunternehmen - Holz-Schmidt - mit über 100 Beschäftigten hatte, um seine Trockenkammerkapazitäten erhöhen zu können, ein neues Biomasse-Heizkraftwerk gebaut. Hier wird die im Betrieb anfallende Baumrinde genutzt, um in Kraft-Wärme-Kopplung 1 MW Strom und 5 MW Wärme zu erzeugen. Da es noch freie Wärmekapazitäten gab, ging die Suchthilfeeinrichtung „Die Fleckenbühler" in einem ersten Schritt voran und schloss das Hofgut mit etwa 130 Bewohnern über eine Nahwärmeleitung an (2010).
Es stellte sich heraus, dass die Wärmekapazität des Kraftwerkes noch lange nicht erschöpft war. Die Vision einer Wärmeversorgung des ganzen Dorfes aus erneuerbaren Energien, hat dann viele Schönstädter mobilisiert. Eine Projektgruppe von 10-20 Mitgliedern bildete sich, die sich seit Anfang 2010 wöchentlich trifft. Eine Machbarkeitsstudie des Ingenieurbüros Berghammer und Penzkofer überzeugte die Gruppe.

 

Bürger gründen Genossenschaft

Die Projektgruppe hat sich über 2,5 Jahre wöchentlich getroffen und das Vorhaben durch Höhen und Tiefen erfolgreich ans Ziel gesteuert!

Die Schönstädter Bürger wurden in einer Fragebogenaktion um ihre Meinung gebeten. Der zustimmende Rücklauf war mit 98 % überwältigend. Die Gesellschaftsform lag auf der Hand: Eine Genossenschaft sollte es sein. Zur Gründungsveranstaltung war das Bürgerhaus bis auf den letzten Platz besetzt und schon am Abend traten 150 Bürger als Gründungsmitglieder in die Genossenschaft ein. Heute sind es rund 270 Mitglieder, die etwa 290 Liegenschaften vertreten. Das ist ein Anteil von 80 %!
Ein einmaliger Beitrag von 5.000 € (zehn Genossenschaftsanteile je 500 €) ist der Eigenanteil der Nahwärme-Genossen. In ihm ist auch die Bereitstellung der Wärmeübergabestation in den Häusern enthalten. Der Hauptteil der Investitionskosten für das Netz wird über Kredit- und Fördergelder abgedeckt. Der Wärmepreis liegt bei 9,76 Cent/kWh. Im Vergleich zu Öl oder Gas hat die Holzwärme einen verlässlichen Preis, eine positive ökologische Bilanz und bedeutet eine erhebliche Wertschöpfung vor Ort.
Die Nahwärmeversorgung wird jährlich 600.000 Liter Heizöl und 150.000 kWh Nachtspeicherstrom ersetzen!
Die Gemeinde Cölbe hat das Projekt von Anfang unterstützt und sich bei der Kommunalaufsicht erfolgreich dafür eingesetzt, dass das Projekt trotz defizitärem Gemeindehaushalt mit einer Bürgschaft von 3 Mio. € abgesichert werden konnte!

 

Pünktlich zur Heizsaison fließt die Wärme durch das Netz

Schweißen unter schwierigsten Bedingungen und dennoch mussten nur 2 von 6000 Verbindungen nachgebessert werden - das ist handwerkliche Präzisionsarbeit!

In nur 7 Monaten hat sich eine Gruppe von etwa 40 Tiefbauarbeitern durch die Gräben gerobbt und dabei so manche Überraschung erlebt. Immer wieder fanden sie eine Lösung und wurden schnell versöhnt durch die herzliche Aufnahme der Schönstädter.
Am 13.10.12 wurde das mit 13 km größte Nahwärmenetz Deutschlands mit einer großen Feier von den Schönstädtern Bürgern in Betrieb genommen. Mehr dazu finden Sie hier.

Schönstädter informieren sich in der Energiezentrale über ihre Nahwärme.

Michael Penzkofer, vom ausführenden Ingenieurbüro Berghamer und Penzkofer, zeigt wie sich mit einer App, die er selbst programmiert hat, die Energiezentrale regeln lässt - Hihgtech im Hosentaschenformat!

 

 

Nahwärmeprojekt Schönstadt in Zahlen

Schönstadt

1.600 Einwohner, Ortsteil von Cölbe, Region Burgwald

Nahwärmenetz

290 Liegenschaften (3/4 aller Schönstädter Haushalte) mit einer Gesamtleitungslänge von 13 km

Investitionssumme

5 Mio € (5.000 € Eigenanteil der Nahwärme-Genossen, Wärmeübergabestation enthalten; Hauptteil der Kosten gedeckt über Förderung und Kredit)

Wärmepreis

9,76 Cent/kWh

Wärmequelle

Biomasse-Heizkraftwerk der Firma Holz-Schmidt; 1,1 MW Strom und 4,9 MW Wärme; Rohstoff: Baumrinde und Waldhackspan

Inbetriebnahme

13.10.12

 

 

Weitere Informationen:

  • www.schoenstadt.net
  • Andreas Mainusch, Vorstandsvorsitzender der Nahwärme Schönstadt eGiG
    Neue Mühle, 35091 Cölbe-Schönstadt, Tel. 06427/8819

 

  1. Gewerbeverzeichnis